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IHK-Aktuell

Informationen der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern

Der neue Konjunkturbericht

Bildurheber: IHK HU-GN-SLÜ

Hanau. „Die Beschäftigtenzahlen liegen auf Rekordniveau, die Exporterwartungen steigen und die Euro-Krise hat an Brisanz verloren. Das stimmt mich optimistisch. Aber noch ist es zu früh, um von einem Auf schwung zu sprechen. Dazu müssten die Auftragsbücher der Unternehmen dicker gefüllt sein. Und noch immer gibt es zwei große Risiken für die Konjunktur: Eine sinkende Binnennachfrage und die hohen Preise für Rohstoffe, Halbzeuge und Energie. Immerhin: Mindestens bis zum Herbst 2013 ist die Wirtschaft der Region krisenfest.“, skizziert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde die Lage nach Auswertung der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage.

Quidde geht davon aus, dass Stimmung und Konjunktur bis zur Bundes- und Landtagswahl recht gut bleiben. „Jetzt ist erst einmal Wahlkampf angesagt. Aber dann kommt die Stunde der Wahrheit: Die Politik muss dann Lösungen präsentieren, wie sie die Staatsfinanzen in den Griff kriegt, obwohl sie es seit Jahren nicht geschafft hat – trotz der höchsten Steuereinnahmen in der deutschen Geschichte. Fragen Sie doch mal die Kandidaten, welche Vor schläge sie machen,“ fordert Quidde.

Denn trotz aller Anstrengungen der Politik und erster sichtbarer Erfolge in der Euro-Krise hält der IHK-Hauptgeschäftsführer das dahinter stehende Staatsschulden problem noch nicht für überwunden. „Aber die Tatsache, dass 52,3 Prozent aller exportierenden Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis dieses Jahr in den Euro-Staaten verstärkt investieren wollen, weist klar auf eine Besserung in Südeuropa hin“, zeigt sich Quidde erleichtert. Andere Staaten und Kontinente seien zurzeit für die Unternehmen am Standort deutlich weniger interessant, mit Ausnahme von China. Laut IHKUmfrage engagieren sich die Unternehmen übrigens auf dem Weltmarkt, um ihre Position in den Zielmärkten zu sichern. Markterschließung und Vertrieb sind dabei die Hauptziele, weniger die Verlagerung von Teilen der Produktion. Der Exporterfolg kommt also auch den Arbeitskräften im Main-Kinzig-Kreis zugute.

Etwas bessere Lageeinschätzungen
34,7 Prozent der Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis bewerten ihre derzeitige Lage als „gut“ und nur 9,1 als „schlecht“, während 56,2 Prozent der Unternehmen zufrieden mit ihren Geschäften sind. Damit hat sich die aktuelle Situation gegenüber der letzten Umfrage im Frühherbst 2012 leicht verbessert. Werden die Angaben zur guten und schlechten Lagebewertungen verrechnet, ergibt sich ein Saldo von 25,6 Punkten. Dieser Wert liegt zwar oberhalb des langjährigen Durchschnitts, aber noch deutlich unterhalb der Aussagen vor einem Jahr, als 49,5 Prozent der Unternehmen ihre Lage als „gut“ einstuften und der Saldo auf historische 41,0 Prunkte kletterte.

Erwartungen noch verhalten
Seit der letzten Umfrage verbesserte sich der Saldo zur künftigen Geschäftslage um immerhin fast elf Prozentpunkte. Doch nur 18,3 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine Verbesserung der Lage, 18,8 Prozent befürchten das Gegenteil. Die Angaben der Unternehmen zeugen einerseits von der Unsicherheit auf den Märkten, sie belegen andererseits, dass sich die Pessimisten auf dem Rückzug befinden. Denn vor vier Monaten hofften laut IHK-Stimmungsbild nur 13,7 Prozent der Unternehmen auf eine wirtschaftliche Belebung, während 25,1 Prozent eine Eintrübung erwarteten. Der Saldo liegt im Übrigen um 7,6 Punkte höher als vor einem Jahr.

„Die Einschätzungen belegen, wie vorsichtig die Unternehmen agieren. Zuviel Überschwang oder leichtfertiger Optimismus würden sich in zuversichtlicheren Angaben niederschlagen. Ich bin froh, dass die Wirtschaft im Main-Kinzig-Kreis realistisch, aber auch beharrlich ihre Chancen in Deutschland und auf dem Weltmarkt einschätzt“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer der IHK dieses Umfrageergebnis.

Die IHK-Umfrage beantworteten dieses Mal 219 Unternehmen aus allen wichtigen Branchen im Main-Kinzig-Kreis. Werden die Angaben zur aktuellen Lage und zu den Erwartungen gewichtet, ergibt sich ein Konjunkturklima-Indikator von 111,8 Punkten, nach 104,7 Punkten im Herbst 2012 und 113,9 Punkten vor einem Jahr. Der aktuelle Wert liegt deutlich oberhalb des zehnjährigen Mittelwertes von 104,9 Punkten. Der Indikator schwankt theoretisch zwischen 200 Punkten bei einer sehr guten Lage mit exzellenten Aussichten und null Punkten in einer schweren Krise ohne Hoffnung.

Industrie kämpft
Verglichen mit der ungewöhnlich guten Lage vor einem Jahr, damals bezeichnete exakt die Hälfte aller Industriebetriebe die Lage als „gut“, kann die gegenwärtige Beurteilung nur unbefriedigend ausfallen: Lediglich 27,9 Prozent der Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes bewerten ihre Lage als „gut“. Aber der aktuelle Wert liegt oberhalb des langjährigen Mittels. Zu dieser im Grundsatz gar nicht schlechten Einschätzung passen auch die Angaben von 14,0 Prozent der Industriebetriebe über eine schlechte Lage. Bezüglich ihrer Erwartungen bleiben die Industriebetriebe vorsichtig: Jeweils 19,8 Prozent sehen eine Verbesse rung oder eine Verschlechterung der Wirtschaftslage auf sich zukommen, während 60,4 Prozent der Betriebe von einer unveränderten Geschäfts lage in den kommenden Monaten ausgehen.

Sorgen bereiten in erster Linie die geringeren Auftragseingänge vor allem aus dem Inland, aber auch aus dem Ausland. Weil sich in der Umfrage zugleich eine Belebung des wichtigen Exportgeschäfts andeutet, drohen Konjunktur-Gefahren vor allem von der inländischen Nachfrage nach Maschinen und Anlagen. „Das könnte die eine Achillesferse eines möglichen Aufschwungs sein“, befürchtet Quidde. Doch noch ist „nicht aller Tage Abend, schließlich werden die inländischen Investitionsbudgets derzeit wieder leicht aufgestockt. Viele Unternehmen haben noch Ersatzbedarf, auch das bezeugt die Umfrage“, beruhigt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Außerdem sei am Jahresverlauf noch genug Zeit, um die Auftragsbücher rechtzeitig zu füllen.

Nach wie vor läuft es ausgesprochen gut im Baugewerbe. Wer hätte vor wenigen Jahren gehofft, dass auf dem Bau noch einmal so gute Zeiten anbrechen würden? Die Euro-Krise lenkt derzeit viele Investoren-Mittel in die Bauwirtschaft. Hinzu kommt, dass der langjährige Investitionsstau in Deutschland endlich abgebaut wird. Derzeit ist davon auszugehen, dass der Boom am Bau zwar abflacht, aber noch nicht zu Ende ist.

Handel und Dienstleistungen stützen Konjunktur

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgt für mehr Kaufkraft. Das erfreut den Handel und das Gastgewerbe. Entsprechend positiv fallen die Lagebeurteilungen am Ende des Weihnachtsgeschäfts aus. Bezüglich der weiteren geschäftlichen Aussichten sind viele Händler und Gastronomen aber skeptisch – wie in beiden Branchen zu Jahresbeginn üblich. Auch die Unternehmen des Verkehrs- und Logistik-Sektors sowie die unternehmensnah arbeiten Dienstleister sind weit überwiegend zufrieden oder sehr zufrieden mit der Geschäftslage, und auch sie wollen die aktuellen Werte vorsichtshalber nicht in die nähere Zukunft fortschreiben. Indem sie einen Wandel des Konsumentenverhaltens nicht ausschließen, handeln die Unternehmen vorausschauend. Ihre Befürchtung: Angesichts der hohen Preise für Energie und Strom sowie der noch immer grassierenden Euro-Skepsis in den Medien könnten die Verbraucher verunsichert reagieren und ihren Konsum einschränken. Diese Befürchtung, die fast 85 Prozent aller Einzelhändler teilen, ist nicht von der Hand zu weisen. Das ist die zweite Achillesferse des sich am Horizont anbahnenden Aufschwungs.

Arbeitsmarkt läuft weiter rund

Am Jahresende 2012 waren 10.393 Menschen im Main-Kinzig-Kreis arbeitslos gemeldet, 66 Personen weniger als im Vorjahr. Dazu gehören auch 6.244 Langzeit-Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger, eine noch immer bedrückend hohe Zahl. Aber viele dieser Menschen stehen dem Arbeitsmarkt auf Grund gesundheitlicher Einschränkungen oder anderer Vermittlungshindernisse nur eingeschränkt zur Verfügung. Bleiben die etwas über 4.000 offiziell gemeldeten Arbeitslosen: Unter ihnen sind Arbeitsplatzwechsler ebenso zu finden wie Jüngere auf der Suche nach einem Arbeitspatz oder Ältere kurz vor der Rente. Zum größten Teil handelt es sich um die ganz normale Arbeitsplatzmobilität. Somit nähert sich die Wirtschaft im Main-Kinzig-Kreis der Vollbeschäfti gung an. Für diese Sichtweise spricht auch die offizielle Jahresdurchschnitts-Arbeitslosenquote: Sie belief sich 2012 auf 5,0 Prozent nach 5,4 Prozent im Vorjahr und 6,1 Prozent im Jahr 2010.

Damit ist klar: Der Arbeitsmarkt wird künftig weit stärker vom Fachkräftemangel bestimmt als von der Anzahl der Arbeits losen. Abgesehen von einer starken Zuwanderung von ausländischen Fachkräften gibt es nur ein großes Reservoir, um den einsetzenden Fachkräftemangel vor Ort zu beheben: Die Beschäftigung von mehr Frauen. „Dass Frauen der Neueinstieg in den Beruf durch eine besser organisierte Kinderbetreuung erleichtert wird, wird mittler weile allseits akzeptiert. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, sie auch von der Betreuung pflegebedürftiger Angehörigen zu entlasten. Dieses Problem, das uns der demografische Wandel beschert, wird oft noch unterschätzt. Wenn es Familien, Pflegediensten, dem Staat und den Unternehmen gelingt, es zu lösen, kann das ein ganz wichtiger Standortfaktor für den Main-Kinzig-Kreis werden,“ ist Quidde überzeugt.

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